FREIE UNIVERSITäT OBERHAUSEN

GEFLÜCHTET & HIER

DER DRITTE SEMINARTAG

Der FR 19.02. war ein sehr besonderer Seminartag der Reihe GEFLÜCHTET & HIER und auch der gesamten FUni-Praxis bis hierher.

Ihr voraus ging ein nicht-öffentliches Seminar zum Thema "Interkulturalität – Konflikte und Potentiale", welches die von uns eingeladenen Referenten Tim Pickartz und Ahmed Hassan in den letzten 3 Wochen mit den von ihnen eingeladenen Seminarteilnehmerinnen Lodmela Khello, Abdulrahman Khello, Hussein Abdul Kader und Zazim Yusufi abhielten.

Ergebnisse dieses vorbereitenden Seminars flossen in die öffentliche Veranstaltung ein. Zunächst in gleichermaßen inhaltlich fundierten wie emphatischen Vorträgen von Tim Pickartz und Ahmed Hassan zu den Themenschwerpunketen "Potentiale" und "Konflikte". Hierauf folgten Beiträge der 4 jugendlichen SeminarteilnehmerInnen, geflüchtete Jugendliche aus Syrien und aus Afghanistan: sachlich, souverän, existentiell, denen kein Attribut oder Adjektiv gerecht wird, nur eine politische Forderung: Bleiberecht, sofort, für immer. Den dritten Abschnitt des Seminartages bildete ein Referat von Burak Yilmaz über die Idee und konkrete Arbeit des aufklärerischen Projekts HeRoes, den vierten und letzten Teil eine intensive Diskussion der zuvor Referierenden mit allen SeminarteilnehmerInnen.

Eine ihm inhaltlich/begrifflich gerecht werdende ausführlichere Beschreibung dieses Seminarbeitrags zu GEFLÜCHTET & HIER erfolgt später. Für jetzt danken wir allen oben genannten Beteiligten für eine Seminarveranstaltung, die uns in unseren begonnenen Überlegungen bestärkt, die als Kunst-/Kulturprojekt begonnene Freie Universität Oberhausen über das Projekt-Ende hinaus fortzusetzen.

Danke hierfür nochmals an:


Hussein Abdul Kader, Lodmela Khello, Abdulrahman Khello, Nazim Yusufi, Ahmed Hassen, Tim Pickartz

Und ebenso herzlichen Dank an den Fach-Referenten des Seminar-Abends, Burak Yilmaz:


Fotos: René Jankowski


DER ZWEITE SEMINARTAG

Am FR 12.02. war zu Gast im Seminar GELÜCHTET & HIER Laila Baghlani, angehende Rechtsanwältin und Mitarbeiterin der Jugendheimstätten Niederreihn, hier seit mehreren Jahren zuständig für die Belange der in ihren Jugendwohnheimen untergebrachten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. Als ihr Co-Referent versuchte Stefan Schroer zunächst einen Überblick zur Flüchtlings- und Asylrechtspolitik der letzten Jahre zu geben, auch zur Einordnung der in aktuellen Debatten anwesenden Schlagworte (vgl. im Bild). Im Seminarkreis informierte Laila Baghlani anschließend detaillliert über politisch-rechtliche Bestimmungen und ihre (oft vorauseilend angewandten) Umsetzungen. Ihr Fokus lag auf der Situation der nach Deutschland geflüchteten Minderjährigen, in ihrem Vortrag und im anschließenden intensiven Seminargespräch wurden rechtliche und bürokratische Aspekte reflektiert. Im Zentrum des Vortrags und auch des daran sich anschließenden Seminargesprächs stand stets das spezifische Schicksal, der einzelne Mensch – wie es das Asylrecht in der BRD noch vorgibt, was aber im bürokratischen Prozess nicht immer im Auge behalten wird und in der aktuellen rechtspolitischen Diskussion (nur ein Stichwort dazu ist "Obergrenze") in Frage gestellt wird. Ein inhaltlich wie – in Verbund mit Fachlichem – auch emotional informatives Seminar. Wir danken hierfür Laila Baghlani und allen SeminarteilnehmerInnen!


Foto: Laila Baghlani mit 3 SeminarteilnehmerInnen, darunter Tim Pickartz (rechts) und Sarah Berndt, Verantwortliche der Seminartage 3 & 5 von "geflüchtet & hier"
Foto (wie immer auf dieser Seite, so nicht anders benannt): René Jankowsky



DER ERSTE SEMINARTAG

Das Ring-Seminar GEFLÜCHTET & HIER begann am FR 05.02. mit einem Vortrag von Klaus Roll (Willkommen in Oberhausen – WIO) und anschließender Seminar-Diskussion zur aktuellen Situation in Oberhausen: der hier lebenden Geflüchteten und, damit verbunden, der Arbeiten der vielen ehrenamtlichen Unterstützergruppen sowie der städtisch Verantwortlichen. – Wir danken für die sehr informative Seminar-Sitzung und die gedankliche Arbeit hierin allen Teilnehmenden und insbesondere Klaus Roll!



Großen Raum nahm die gemeinsame Reflexion der gegenwärtigen Stimmung in der lokalen Bevölkerung ein, in der (wie in der BRD insgesamt) die bis Ende 2015 öffentlich vorherrschende "Willkommenskultur" in ihr Gegenteil sich wandelt.

Festzustellen war dieser Wandel u.a. in der letzten von der Stadt Oberhausen ausgerichteten Informationsveranstaltung zu einer geplanten Flüchtlingsunterkunft. Anders als ähnliche Veranstaltungen in 2015 wurde diese dominiert von anwohnenden und anderen Bürger*innen, welche ihre eindeutig ablehnenden Haltungen gegenüber der Unterbringung von Geflüchteten in ihrer Nachbarschaft mit Sorgen und Ängsten für sich und ihre Kinder vor raubenden und körperlich gewalttätigen Migranten begründeten, obgleich diese Begründungen im exakten Widerspruch zur zuvor vom Vertreter der örtlichen Polizei vorgetragenen statistischen Erhebung an den in Oberhausen bereits bestehenden Quartieren mit Flüchtlings-Wohnheimen standen und stehen. Im Verhältnis der anwesenden Bürger*innen – fast 200 Ablehnende gegenüber ca. 20 Willkommen-Heißenden – war eine sachliche Diskussion nicht mehr möglich, Irrationalität und Rassismus beherrschten die Veranstaltung.

Dass dies nicht noch einmal so geschehen soll, war die einhellig geteilte Ansicht im Seminar. Sie entspricht der Ansicht des jüngst gegründeten Netzwerks aller in Oberhausen aktiven Initiativen zur Unterstützung der Neubürger*innen, welche daher gemeinsam dazu aufrufen, der nächsten städtischen Informationsversammlung – diese zur geplanten Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft in der Erlenstraße – beizuwohnen und sich an der anstehenden Diskussion zu beteiligen. Das Seminar GEFLÜCHTET & HIER der Freien Universität Oberhausen schließt sich diesem Aufruf an.

Der Termin dieser Informationsverantaltung war am Dienstag, 9.2.2016, in der Kath. Gemeinde Liebfrauen, Roßbachstraße 41, 46149 Oberhausen.

Die für diesen Tag vorgesehene zweite Sitzung des Seminars GEFLÜCHTET & HIER der Freien Universität Oberhausen wird aus diesem Grund um zwei Wochen nach hinten verschoben und findet nun am Dienstag, den 24.2., 19 bis 21 Uhr statt.

Die hier geplante Beschäftigung mit dem, was – aktuell oft in verzerrter, verfälschender Weise – "Fluchtursachen" genannt wird, welche "bekämpft" (wir denken eher: beseitigt) werden müßten, halten wir vor dem aktuell bestehenden gesellschaftlichen Hintergrund, von dem uns das erste Seminar einen fundierten Eindruck verschaffte, für nicht minder wichtig; im Sinne einer not tuenden Aufklärung gar für praktisch von noch gesteigerter Relevanz.

Die aber nicht in Konkurrenz zu aktuell ebenso wichtige Praxen stehen sollte und will. Daher wird auch die Leitung des Seminars GEFLÜCHTET & HIER und werden die Referentinnen der nun verschobenen Seminarsitzung am kommenden Dienstag an der öffentlichen Informationsveranstaltung in der Gemeinde Liebfrauen teilnehmen.

Zur Reflexion des Themas "Migration: Menschen, Waren, Kapital – Zur politischen Öko­nomie der Flücht­lings­bewegung" sind alle hieran Interessierten umso herzlicher nun für Dienstag, den  24. Februar, 19 bis 21 Uhr in den FUni-Seminarraum im kitev-Leerstand (Hbf Oberhausen) eingeladen.

Freitag, 12.02.2016, 19 bis 21 h
"Will­kommen & Ab­weisung – Zur aktuellen rechtlichen und politischen Asyl-Diskussion & -Praxis"

Hier wird es primär um rechtspolitische Praxen gehen. Bereits parallel zur offiziell propagierten Willkommenskultur wurden auf politischer Ebene rechtliche Veränderungen beschlossen und weitere geplant (nun u.a. realisiert im sog. "Asylpaktet II"), die fraglich machen, ob es – mit dem Gedanken eines Seminarteilnehmers der ersten Sitzung von GEFLÜCHTET & HIER formuliert – in der BRD ein wirkliches Asylrecht überhaupt noch gibt.

Die eingeladene Referentin Laila Baghlani, selbst als Kind Flüchtling aus Afghanistan, kann uns hierzu als angehende Juristin und als Mitarbeiterin eines der konsequentesten rechtlichen Vertreters von Asylbewerber*innen in NRW theoretische und praktische Auskünfte geben. Mindestens ebenso relevant ist ihr inzwischen dreijähriger Einsatz für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge als Mitarbeiterin der Jugendheimstätten Niederrhein. In dieser alltäglich praktischen, existentiellen Arbeit für die ihr anvertrauten Kinder sind veränderte Gesetze und Ausführungsbestimmungen oft bereits effektiv spürbar, wenn sie rechtlich noch gar nicht in Kraft gesetzt wurden.

Bereits 2014, als den Begriff "Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge" noch niemand kannte, initiierte Laila Baghlani die – dann zusammen mit Theater Arbeit Duisburg realisierte – Theater-Inszenierung "Endstation 175" mit aus Afghanistan geflüchteten Jugendlichen und anderen Heimkindern des Jugendwohnheims Zeppelinstraße 2 in Duisburg-Hochfeld.

Ein Trailer zu diesem Projekt ist hier zu sehen.


Freitag, den 19.2.16 zum öffentlichen Seminar zum Thema "Interkulturalität – Konflikte und Potentiale"
kitev und die Freie Universität Oberhausen laden am Freitag, den 19.2.16 zum öffentlichen Seminar zum Thema "Interkulturalität – Konflikte und Potentiale" im Rahmen des Seminars "Geflüchte & Hier" ein. Dabei wird der "Leerstand" (20m rechts neben dem Haupteingang) im Oberhausen HBF als Veranstaltungsort dienen und ist ab 19 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich.

Der Vortrags-Abend ist die Abschlussveranstaltung des Seminars, das über mehrere Wochen läuft und von Tim Pickartz und Ahmed Hassan geleitet wird. Im Seminar arbeiten die beiden jungen Oberhausener mit einer Gruppe von Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan, die sich selber am 19.2.16 auch vorstellen werden.

Als Referent wird Prof. Dr. Abdel-Hakim Ourghi (Leiter des Fachbereiches Islamische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg) über seine Auslegung eines liberalen, humanistischen Islam im 21. Jahrhundert berichten. Selbstkritik, eine historisch-wissenschaftliche Analyse der religiösen Schriften und Aussichten der muslimischen Community in Deutschland werden dabei im Mittelpunkt stehen.

Als Special Guest konnten wir Burak Yilmaz gewinnen, der als Gruppenleiter der HeRoes Duisburg agiert. Die Heroes arbeiten unter dem Motto "gegen Unterdrückung im Namen der Ehre" mit jungen Männern aus patriarchalen Strukturen und sogenannten "Communitys der Ehre" und sind ein Projekt, an dem u.a. Psychologe und Islamismus-Experte Ahmad Mansour federführend mitarbeitet.

Wir freuen uns über jeden Gast. EINTRITT FREI!



Mittwoch, 24.2.16, 19 Uhr, kitev-Leerstand: Info- und Diskussionsverantstaltung zum Thema: Frauen, Flucht und Migration

Die Themen Flucht, Asyl und Migration sind in aller Munde, aber oft nicht aus einer feministischen Perspektive oder in einem größeren globalen Zusammenhang. Deshalb laden wir ein:
Geflüchtete/immigrierte Frauen – Zu spezifischen Aspekten der Migration von Frauen

Im Rahmen des Seminars der Freien Universität Oberhausen "Geflüchtet und hier" werden Behshid Najafi von Agisra e.V. Köln und Anna Vielhaber von Frauen helfen Frauen Oberhausen e.V. referieren.

Agisra e.V. versteht sich als autonome, feministische Informations- und Beratungsstelle von und für Migrantinnen, Flüchtlingsfrauen, Schwarze Frauen und all diejenigen, die von Rassismus betroffen sind. Behshid Najafi wird uns einen Einblick in die vielfältigen Tätigkeiten des Vereins geben. Anna Vielhaber wird über Empowerment = Stärkung von Eigenmacht, Autonomie und Selbstbestimmung als ressourcenorientierten Arbeitsansatz, der die eigene Handlungsfähigkeit stärkt, sprechen und über ihre praktische Arbeit vor Ort in Oberhausen.

Die Inputs werden sowohl globale Fluchtursachen und die Lage der Frauen in den Herkunftsländern als auch die konkreten Situationen vor Ort hier in unserer Region beleuchten. Der Austausch und die anschließende Diskussion richtet sich an alle Interessierten, an Menschen, die in diesem Bereich tätig sind, Ehrenamtler*innen und Einsteiger*innen.

Spezielle Problematiken und Bedarfe von Frauen sollen in einen Zusammenhang gebracht werden: 
Welchen Problemen müssen sich Frauen in Krisengebieten stellen? Welche Auswirkungen hat sexualisierte Gewalt als eine spezifische Menschenrechtsverletzung gegen Frauen, auf der Flucht und hier in Deutschland? Was können wir bei der Umsetzung von Angeboten für geflüchtete Frauen noch beachten?
Welche Erfahrungen hast du bereits gemacht und kannst diese einbringen?

Vorkenntnisse oder Themeninvolviertheit sind nicht nötig. Nachkommen ist kein Problem. Der offizielle Teil ist von 19-21 Uhr. Im Anschluss wird noch Raum für Vernetzung und anschließende Diskussionen geschaffen.
Getränke und Snacks wird es auch vor Ort geben.
Wir freuen uns auf einen guten Austausch!

Sarah und Jenny

 

ZUR INKLUSION DER NEUBüRGERINNEN

Seminar-Termine:

Freitag, 5.2.
, 19 bis 21 Uhr
"Willkommensarbeit in Oberhausen – Rück­blick, Reflexion, Ausblick: Sinn­volle Praxen"
Referent: Klaus Roll (Willkommen in Oberhausen – WiO).

Freitag, 12.2., 19 bis 21 Uhr
"Willkommen & Abweisung – Zur aktuellen rechtlichen und politischen Asyl-Diskussion & -Praxis"
Referent*innen: Stefan Schroer und Laila Baghlani

Freitag, 19.2., 19 bis 21 Uhr
"Interkulturalität – Konflikte und Potentiale"
Leitung Vorbereitungsseminar mit jungen Geflüchteten: Tim Pickartz und Ahmed Hassan
Referent: Burak Yilmaz (HeRoes Duisburg)

Dienstag, 23.2., 19 bis 21 Uhr:
"Migrationen: Menschen, Waren, Kapital – Zur politischen Ökonomie der 'Flüchtlingskrise'"
Referenten: Theorie und Praxis e.V.

Mittwoch, 24.2.
, 19 bis 21 Uhr:
"Geflüchtete/immigrierte Frauen – Zu spezifischen Aspekten der Migration von Frauen"
Konzeption & Organisation: Sarah Berndt und Jennifer Bittner
Referentinnen: Behshid Najafi (arbeitsgemeinschaft gegen internationale sexuelle und rassistische ausbeutung – agisra e.V.) und Anna Vielhaber (Frauen helfen Frauen Oberhausen e. V.)

Freitag, 26.2., 19 bis 21 Uhr
"Pegida NRW und die Duisburger Zustände"
Konzeption & Organisation: Antifa Oberhausen
Referent*innen: Emanzipatorische Antifa Duisburg

Ort:

kitev-Turm im Hbf OB, Treffpunkt: Leerstand

ÜBER DAS SEMINAR GEFLÜCHTET & HIER

Alt-Oberhausen entstand vor 150 Jahren in der kargen Lipperheide. Ohne Migrant*innen gäbe es die Stadt nicht, und die lokale Leitkultur würde weiterhin von Wildpferden, den Em­scher­brücher Dick­köppen, diktiert. Auch in den letzten Jahren zogen Menschen fort und andere in die Stadt. Aktuell kommen vor allem viele vor Krieg, Ver­folgung, Not und Elend Ge­flüchtete neu hinzu.

„GEFLÜCHTET & HIER“ ist strukturiert als Ring-Seminar mit inhalt­lich wechselnd Ver­ant­wort­lichen, was einerseits eine durchgängige Reflexion des generellen Themas leistet; andererseits fungiert jede einzelne Seminar­sitzung auch als je eigenständiger Beitrag zu ihrem spezifischen thematischen Aspekt.

Seminarleitung & ReferentInnen:

Diverse (hier: 6 aus 18)


Foto: René Jankowski